28. - 29.03.08 - Ragnarök 5, Stadthalle Lichtenfels

Vor allem für jene, denen es der Pagan und Viking Metal angetan hat. Zum fünften Mal findet nun schon das Ragnarök Festival in der Stadthalle Lichtenfels statt und Metal Guardian ist mitten drin!



Tag 1 - Freitag 28. März. Steigt man in Lichtenfels aus seinem Gefährt, kommt das erste Schmankerl schon mal von der Seite des Wetters. Die Sonne scheint und gut gelaunt und ächzend 300 Metal Guardians schleppend geht es los Richtung Stadthalle. Dort trifft einen der Schlag. Es ist gerade mal 12 Uhr und der Parkplatz vor der Halle ist knüppeldickevoll. Später kann man auch feststellen, dass die Zahl Weitgereister stark gestiegen ist und mit ihnen zusammen zählt das Festival dieses Jahr geschlagene 4000 Besucher. Nun gut umso schneller vergeht die Zeit bis die heilige Halle ihre Pforten öffnete. Es hat sich vieles verändert im Vergleich zu den Vorjahren. Das Gelände ist etwas großräumiger abgesperrt und das mit einem Bauzaun der mit Tüchern behangen ist die extra mit passenden Ornamenten bedruckt wurden. Stylisch! Zudem wurde für die Verkaufsstände eine separate Halle aufgestellt, was bei der Fülle an Menschen angebracht ist.


Kommen wir zu den unwichtigen Dingen eines Festivals, den Konzerten. Aufgrund der Absage von Alestorm musste die komplette Running Order kurzfristig durcheinander gebracht werden, somit gehts für den verehrten Leser erst 19 Uhr mit Skyforger los. Leider macht sich hier ein Soundproblem sehr deutlich bemerkbar, denn wichtige Erkennungsmerkmale, wie die Flöte, gehen vollkommen unter und aus der geilen Band Skyforger wird 08/15 Metal. Schade drum.


Eine Band, die mehr Glück mit dem Sound hat, sind Turisas. Schon vorher kann man einzelne Mitglieder der Band oder deren Groupies auf dem Parkplatz herumlaufen sehen, was man an der rot-schwarzen Bemalung und dem dicken Fell auf den Schultern erkennt. Die Bemalung wirkt schon fast bösartiger als ihre Musik, denn die Band ist optimal zum hören, sollte man gerne das Tanzbein schwingen. Turisas kommen mit einer riesigen Portion Elan auf die Bühne und wenn das Publikum bisher noch nicht richtig in Lichtenfels angekommen ist, dann spätestens jetzt. Die Temperatur steigt in der Halle und das muss durch ausreichend Haare schütteln ausgeglichen werden. Dieses Prinzip haben die meisten verstanden und selbst wenn man kein großer Fan des typischen Pagangedudels ist, fällt es nicht schwer sich von der Stimmung mitreißen lassen.


Der Abend wird mit Hellsaw abgerundet. Hier gibts richtig was auf die Ohren, wenn man auf etwas härtere Gefilde steht. Auf jeden Fall sehenswert und ein guter Abschluss für Tag 1 von Ragnarök 5.



Tag 2 - Leicht lädiert wacht man auf seinem Quadratmeter Isomatte auf und hat auf einmal eine neue Sichtweise auf Hühnereier, die aus der Legebatterie stammen. Dennoch kann man ausgesprochen froh sein in der Schlafhalle zu schlafen und nicht im Zelt oder im Auto, denn es ist warm. Auch wenn das Festival in der Halle stattfindet kommt man auch hier auf den Genuss sich tagsüber einen Sonnenbrand zu holen und sich nachts dagegen den Arsch ab zufrieren. Zudem kommt man bei der Schlafhalle in den Genuss von Securities, bei denen man sich am späten Samstagabend nicht ganz sicher war, ob sie an ein paar Bier genippt haben oder einfach nur so gerne übers Kacken reden.


Nicht lange dauert es, da ist die Halle auch schon gefüllt und zum Frühstück gibt es Trollfest. Der Sänger Trollmannen, der ohnehin aussieht wie ein Troll, schaft es einwandfrei das Publikum aufzuwecken und schnell ist der Stimmungspegel vom Vorabend da.


Wolfchant sind eine Band aus Bayern und machen so genannten Epic Pagan Metal from Bavaria. Außerdem sind sie die folgende Band. Mit eher Corpse Paint ähnlicher Bemalung und blutigen T-Shirts betreten sie die Bühne und präsentieren dem Zuschauer eine Mischung aus altem und neuen Album. Eine Band die weniger mit Pagan Schnick-Schnack wie Akkordeon oder Flöte auftritt, dem sensiblen Hörer dennoch nicht die Ohren wegbläst.


Etwas später folgen XIV Dark Centuries. Die fünf Lieder, die sie spielen dürfen sind wirklich toll, aber die Tatsache, dass es nur fünf Lieder sind, ist dagegen etwas enttäuschend. Vielleicht hätte sich Sänger Michel besser die Zeit sparen sollen mit seiner umweltschützenden Ansage, dass die Fans doch bitte ihre Müll nicht überall hinschmeißen sollen, denn wirklich bringen sollte es nichts, auch wenn es bestimmt sehr lieb gemeint ist. Gerade später kommt man in den Genuss eines Flyer-, Zeitschriften- und Plastikbecherteppichs in der Eingangshalle.


Nun folgt ein echter Knaller aus dem fernen Russland. Arkona, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen, politisch nicht ganz durchsichtigen polnischen und russischen Versionen.


Vom Rand aus kann man schon ein blonde Frau sehen, die den Soundcheck fürs Mikrophon macht und stempelt sie zuächst als billiges Groupie ab. In Wirklichkeit handelt es sich allerdings bei besagtem Blondchen um niemand geringeren als die Sängerin Masha mit einer ziemlich energieunterlegten Stimme und einer menge Bewegungsdrang. Sie macht sofort Nägel mit Köpfen und beginnt wie eine besenkte Sau über die Bühne zu fegen, als gäbe es kein Morgen. Und gröhlt zwischendurch ins Mikrophon wie es ein bärtiger Troll kaum besser hinbekommt. Die Flöte, die eigentlich ein Keyboard ist, unterlegt die Musik mit sehr typisch russisch klingender Melodien. Einfach eine super Show!


Ein Klassiker aus Thüringen, nämlich Menhir soll wenig später jedes Paganherz begehren. Dem eingefleischten Fan dürfte die Show schon bekannt sein, aber das schadet nicht, die Vertrautheit machts in dem Fall. Bekannte Songs wie “Wotans Runenlied” oder “Vallhalla”, als Zugabe, bereichern einen mit einer guten Dosis Paganmelodien. Leider auch durchtränkt mit einigen Soundproblemen und durch die Zeitprobleme gibt es nur eine Zugabe, obwohl zwei auf der Setlist stehen.


Was dann kommt ist eigentlich musikalisch nicht ganz passend. Aber es heißt ja Pagan-Festival und nicht Pagan-Black Metal Festival. Also warum sollen dann nicht auch Unleashed auf dem Ragnarök spielen? Thematisch passen sie voll und ganz und der Meinung ist ein überraschend großer Teil der Besucher. Die Halle ist prall gefüllt und es liegt wunderbar geknüppelter Death Metal in der Luft. Die Stimmung ist am brodeln und steigt mit jedem Song, der gespielt wird. Das Publikum wird beim letzten Song „Death Metal Victory“ mit einbezogen. Jeder singt mit und jeder kennt den Song und spätestens hier steht fest, dass in jedem Black Metaller ein bisschen Death Metal steckt. Solche Bands sollte es öfter geben, nicht nur auf dem Ragnarök!


Nun wollen Vreid versuchen diese Stimmung mit einer angekündigten Special Show zu überbieten. Die Special Show soll wohl entweder das bisschen Feuer sein oder die nicht ganz funktionierende Beamershow im Hintergrund, die eigentlich nur von der Musik ablenkt. Auf dem Ragnarök scheint die Band immer leichtes Pech zu haben, nachdem letztes Jahr schon mitten in der Show ein Stromausfall war. Der Auftritt der Norweger ist dennoch ansonsten sehr gut, schade ist nur noch, dass der Fan auf Windir Tributsongs warten musste, die blieben diesmal allesamt aus.


Als Headliner angekündigt sind Negura Bunget aus Rumänien. Das ist dann wohl endlich mal was für Freunde des langsamen Gedudels. Aber weniger für welche, die es nicht sind, denen treibt es die Müdigkeit hoch. Auch wenn die Lieder immer aus interessanten Parts bestehen, zieht der Rest des Songs sich in elendige Länge. Schade drum, aber viele mögen es und das ist wohl das wichtigste.


Ein Großteil der Besucher legt sich inzwischen schon schlafen und nur die hart gesonnenen, die am nächsten Tag kein Auto fahren müssen oder keine Angst vor Polizeikontrollen haben bleiben noch für die letzte Band Fimbulthier. Recht spontan wurde die Band noch bestätigt und noch viel spontaner wurden sie auf den letzten Platz der Running Order gedrückt. Sie bieten einen gelungen Abschluss des Festivals und schmuggeln einen In Flames Coversong zwischendurch rein, der für einige das Absolute an dieser Band zu sein scheint.


Nach der Zeitumstellung ist es es nun schon 4 Uhr nachts und somit höchste Zeit für die Isomatte, das Zelt oder das Auto. Noch das letzte Leikeim, das glücklicherweise nur noch einen Euro kostet und auch so schmeckt – war wohl buchstäblich der Spuckrest - , leeren und ab gehts.


Und so endet das fünfte Ragnarök Festival auch schon wieder. Alles in allem ein sehr gelungenes Festival. Sehr Lobenswert ist auch, dass der Nazifaktor sehr stark geschrumpft ist. Es gibt viel konsequentere T-Shirt- und Aufnäherkontrollen einige Leute dürfen sich von Veranstalter Ivo höchst persönlich die Absurdaufnäher abkleben lassen. Und generell wirkt es etwas friedlicher als im Vorjahr. Hoffentlich bleibt das so und man kann gespannt sein, was fürs nächste Jahr geplant wird. Kleinere Mängel wie die Soundprobleme oder die ständig wechselnde Running Order, die dieses Jahr dazu führt, dass viele Agalloch verpassen, könnten noch behoben werden. Aber Fehler formen ja schließlich auch einen Charakter. Fürs nächste Jahr gibt es immerhin schon Gerüchte um drei Tage und um einen anderen Veranstaltungsort aufgrund der Fülle, aber was da dran ist, wissen wohl nur die Veranstalter oder die heidnischen Götter.

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