Iron Shield Records — Lokalkolorit mit 80er Style

Nennt mich unwissend, aber gleich die wichtigste Frage zuerst: Warum habt ihr eine Ente als Logo? ;)

Das ist einfach zu beantworten: Schon seit Schulzeiten habe ich den Spitznamen „Duck“, also lag ein Metal-Duck- Maskottchen nahe. Habe jetzt sogar Patches machen lassen, da es immer wieder Anfragen deswegen gab! Scheint also vielen zu gefallen. Was man vielleicht nicht auf Anhieb bemerkt ist der „Grete“- Schriftzug auf der Axt. Grete war der Spitzname von Frank (Weiser), dem Initiator des Iron Shield Labels. Leider verstarb Frank sehr unerwartet im November 2012. Das war ein immenser Schock, da ich Frank ja schon ewig kannte und wir auch schon so manche Band in den USA besucht haben und bei vielen Metalfestivals gefeiert haben.




Iron Shield ist bekannt dafür, sich eher dem klassischen Metal Genres wie, Heavy, Thrash, True und Speed Metal, zu widmen. Hab ihr für euch da klare Eingrenzungen, was ihr veröffentlicht?

Das stimmt schon. Der Rahmen unserer stilistischen Breite ist relativ begrenzt. Klassische Metal-Themen sind nun mal meine favorisierte Spielart. Daher sollten die Bands das Prädikat „80er Jahre Style“ schon erfüllen, sonst fliegt’s gleich aus der engeren Auswahl. Da das Label in diesen Entscheidungsfragen komplett unabhängig ist, wird halt gemacht, was gefällt. Verkaufstechnische Aspekte spielen da auch erst mal eine untergeordnete Rolle. Spielerische Kompetenz sollte aber jede Band mitbringen, auch wenn man selbst im Nachhinein vielleicht nicht mit jedem Release hundertprozentig zufrieden ist.


Was kann die Band dann im Gegenzug von eurem Label erwarten?

Von komplizierten Abrechnungsmodellen z. B. pro verkaufter CD/LP wird komplett abgesehen. Die Band liefert (meist) ein fertiges Produkt ab und hat im Folgenden keinerlei Kosten. Das Label trägt also alle Folgekosten, wie Pressung, Verschickung, Promotion etc. Somit haben wir aber auch das Risiko, falls mal was gar nicht läuft. Das passiert leider auch. Die Bands bekommen dafür einmalig einen Anteil an der Gesamtpressung und wenn sie gut touren, können sie jederzeit Preiswert nachkaufen. Dadurch ist z. B. die Reactory-CD total „sold out“. Der Anteil an dem, was die Band bekommt, variiert leicht, je nachdem, woher die Gruppe kommt. Die Verschickungskosten für Vinyl nach Südamerika sind immens. Einige Male habe ich das Material aber auch auf Wunsch der Band mastern lassen, das wird dann noch einberechnet.


Was steckt eigentlich alles an Arbeit in so einem Underground-Label? Wie viel Arbeitszeit muss man pro Woche ungefähr aufwenden, um derart vielen Releases stemmen zu können?

Es wäre schön, wenn der Großteil der Arbeit im Verschicken von Bestellungen liegen würde. Tatsächlich besteht die meiste Arbeit darin, Mails zu beantworten. Ganz schlimm, wenn ich mal aufgrund eines Festivals fünf Tage nicht im Netz war. Die Hintergrundarbeit ist enorm, es gibt auch täglich Anfragen von Bands aus der ganzen Welt, die einen Deal haben möchten. Dabei gab’s bisher maximal zwölf Releases im Jahr. Als Kleinunternehmer muss ich auch schauen, dass es insgesamt nicht viel größer wird. Zwei Stunden am Tag, also nach meinem „Normaljob“ ist schon so das Minimum. Wenn neue Veröffentlichungen anstehen, wird es abends auch mal deutlich später.


Wie „schwer“ ist das Label-Dasein in Zeiten von MP3, Streaming und Download? Wird das Thema „illegale Downloads“ heute immer noch so „heiß gegessen“, wie noch zum Beispiel vor zehn Jahren?

Streaming ist etwas, woran man als Label definitiv nichts verdient! Das Thema „illegale Downloads“ hingegen ist tatsächlich noch frustrierender, besonders, wenn man wieder mal auf eine Seite hingewiesen wird – meistens aus der Ukraine – die ALLE Releases von Iron Shield anbietet und sich dafür auch noch bezahlen lässt. Leute, die Musik gratis ins Netz stellen, hassen wohl Metal, sonst würden sie nicht versuchen, die Szene kaputtzumachen, das ist meine Meinung jedenfalls. Kann man aber nichts gegen machen, ist so und wird auch nicht mehr besser. Ich persönlich benutze zum Hören nur physische Tonträger. Eine Ausnahme ist, wenn mir eine Band ihr Demo o. ä. zuschickt.


Gerade bei der Oldschool-Ausrichtung sollte man vermuten, was die Käufer bevorzugen. Aber um es mal aus erster Hand zu erfahren: Kaufen die Leute mehr Vinyl, CDs oder digital?

Bei mir sind es deutlich mehr CDs als LPs, liegt aber auch an der leicht veränderten Ausrichtung der letzten Jahre. Aufgrund massiver Platzprobleme habe ich Vinyl zurückgefahren. Außerdem wird der LP-Markt zur Zeit von „größeren“ Labels mit 100 verschiedenen Farben einer Platte überschwemmt. Dazu kommen noch die Re-Releases von alten LPs! Da bleibt die Veröffentlichung einer unbekannten neuen Band oft auf der Strecke, weil einige lieber noch u-n-b-e-d-i-n-g-t ne’ Metallica-LP in blassblaulila für 30 € brauchen. Da habe ich schon Respekt vor reinen Vinyl-Labels, mal schauen, wie lange der Boom noch anhält. Die Erlöse aus dem Digitalbereich spielen bei mir (noch) keine besondere Rolle. Dass liegt aber sicherlich auch daran, das sich ja keine trendige Post-, Core-, oder sonstewas Band im Roster befindet.


Wie kam es zu der Kooperation mit renommierten Partnern wie Soulfood oder Pure Steel Records?

Seit dem Tod von Frank mache ich mit neuen Kooperationspartnern, wie Pure Steel (Promotion) und neuerdings Soulfood (Vertrieb) allein weiter. Überhaupt ist durch die Kooperation mit Pure Steel einiges leichter geworden, das Verschicken der Promo-CDs ist jetzt deutlich kostensparender organisiert und mit dem Einrichten des offiziellen Promo-Downloads bei Pure Steel werden auch sehr viel mehr mögliche interessierte Partner erreicht, als noch 2012. Gruß an Michaela & Markus von Pure Steel \m/


Uns als regionales Magazin interessiert natürlich, wer neben internationalen Acts denn aus unserer lokalen Szene bei euch im Roster ist.

Dieser Aspekt stand von Vornherein im persönlichen Interesse! Die ersten waren die Thrash-Metal-Urgesteine von Fatal Embrace, welche ja nun komplett bei Iron Shield sind. Das liegt wohl auch daran, dass ich die Jungs seit 28 Jahren kenne. Weiter ging es mit First Aid (Berlin). Tormentor aus Guben sind bei uns schon seit 2011 am Start und haben gerade ein neues heißes Eisen im Feuer! Dann war Reactory mit der ersten „full-length“ bei uns, gefolgt von, gerade aktuell, den altbekannten True-Metallern Metall und den wildesten Berliner Speed-Metal-Punks von Indian Nightmare! Sogar Satan Worship ist nun durch die Umbesetzung eine Berliner Band!


Gibt es dahingehend Pläne gerade im heimischen Markt noch nach „Frischfisch“ zu angeln?

Da lasse ich mich gerne überraschen, was so auf mich zukommt! Als Info vorab: Die Planung erfolgt recht langfristig, also sich bewerben und in zwei Monaten die Scheibe in den Händen halten funktioniert so nicht (mehr). Das ist leider der Nachteil, wenn man „größer“ agiert.

Gibt es Überlegungen, Bands aus dem Iron Shield-Roster gemeinsam auf Tour zu schicken, oder ein Iron Shield Festival umzusetzen?

Wäre eine nette Idee, aber von meiner Seite aus ist da nichts geplant. Es gab zwar schon zufällige Tourkonstellationen in z. B. Südamerika, wo Revenge und Thunder Lord zusammen tourten, oder auch in Italien, wo so einige Bands zusammen unterwegs waren, aber auch in Zukunft werde ich im Booking nicht aktiv sein. Trotzdem mal den 17.06. vormerken: im Nuke (Ex-K17) spielt Metall, Fatal Embrace und die Kamikaze Kings zum Tanz auf!


Und wo wir gerade bei Festivals sind, wie wichtig sind für ein Underground-Label die Präsenz auf eben jenen?

Der April ist diesbezüglich ein hervorragender Monat für mich. Anfang April bin ich jedes Jahr auf dem Taunus Metal und zum Monatsende auf dem international renommierten Keep It True Festival, das Publikum dort ist auch so ziemlich genau meine Zielgruppe! Weiterhin findet man mich auf dem Headache Festival, klein aber fein in Ahlimbsmühle. Später folgt dann noch das Headbangers Open Air und manchmal auch das Hammer Of Doom und/ oder das Metal Assault. Für mehr reicht mein Urlaub leider nicht, mein Chef ist immer außerordentlich „begeistert“, wenn er meinen zerstückelten Urlaubsplan sieht.



Und welche spannenden Veröffentlichungen erwarten uns in nächster Zeit von Iron Shield?

Da ich bis Mai schon zehn Veröffentlichungen raus hatte, geht es nun langsamer an. Geplant ist: Krull (Bra) The Black Coast (Epic/ Heavy Metal) als CD/LP, die neue Sorrows Path, Bitchhammer und dann mal abwarten, ob es klappt mit dem Rest. (lacht)



Dann erhebe ich meinen Gerstensaft und überlasse euch die letzten Zeilen:

Vielen Dank ans Metal Guardian für das Interview! Ihr seid ja auch ein Urgestein bei den Printmedien und ich weiß, dass man als gedrucktes Magazin heutzutage mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, wie als Record Label! Danke auch an all die zahllosen enthusiastischen Labels weltweit, die immer noch durchhalten! An alle Metal Maniacs: Engagiert euch, geht zu „kleinen“ Bands, unterstützt die Szene und kauft nicht nur 1000 Patches für eure Kutte, sondern auch mal ‘nen echten Tonträger! Denn von Streaming/ Download kann kein Label und keine Band existieren.

Wir sehen uns vor den Bühnen der Welt: Long Live The Loud !




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Bildmaterial = Iron Shield Records © Thomas Kalläne



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