30.09.2017 - What's Your Metal #1 im Lindenpark, Potsdam

Metal in Potsdam - in der Vergangenheit wirklich eine komplizierte Angelegenheit. Trotz heimischen Größen wie Subway To Sally und (zumindest teilweise) In Extremo sowie einem gerade in den 90ern und frühen 2000ern vielfältigen Angebot an Klubs und Partys ist der Zuspruch für unsere Herzensmusik in der Vergangenheit doch spürbar abgeebbt. Zwar liefert der Metal Keller im Nil-Club einmal im Monat Vollbedienung satt, aber gerade die offenbar unüberwindliche virtuelle Mauer zwischen dem Vorort Berlin und der Landeshauptstadt sorgt dafür, dass die Hallen leider oftmals leer bleiben - zuletzt erlebt bei den New Yorker Veteranen Prong im Waschhaus.


Suboptimale Veraussetzungen um eine Konzertreihe zu etablieren, die voll und ganz auf Underground setzt - aber genau das ist das Konzept von What's Your Metal: Hier gibt es regionale Bands auf einer tollen Bühne für einen schmalen Taler. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe haben die Organisatoren eine vielfältige Mischung an interessanten Formationen in den Potsdamer Lindenpark gekarrt, die erfreulicherweise für ein ordentlich gefülltes Venue sorgen.



Pünktlich um 20.00 Uhr steht mit Hit By Pitch die erste Band auf der Bühne. Die Berliner legen heute ihre Live-Premiere auf's Parkett und unglücklicherweise merkt man das auch. Das Zusammenspiel der Musiker ist noch arg rumpelig und eine wirkliche Ausstrahlung kann das Quartett logischerweise auch noch nicht vorweisen. Hinzu kommt ein extrem matschiger Sound, der es leider unmöglich macht, Feinheiten aus Songs wie dem bereits als Video veröffentlichten "Pyromaniac" herauszuhören. Im Laufe des Sets finden die Hauptstädter allerdings etwas besser zueinander und verabschieden sich deshalb nicht unzufrieden von den bereits zahlreich anwesenden Fans.




Kurz die Gitarrenverstärker getauscht und schon stehen die Bearded Bastards in den Startlöchern. Seit zwei Jahren machen die Bartträger bereits die Clubs der Region unsicher und werden daher von einer stattlichen Meute angefeuert. Die Mucke der Potsdamer ist einfach für die Bühne gemacht: Im Midtempo angesiedelter Old School Death, hart im Fahrwasser von Bolt Thrower oder auch frühen Amon Amarth. Richtig Stimmung kommt aber vor allem dann auf, wenn Drummer Marco das Gaspedal voll durchlatscht und die Saitenfraktion in etwas thrashigeren Gefilden shreddert! Die grenzdebilen Ansagen von Gitarrist Chita sorgen im Übrigen für einen geschickten Kontrapunkt zum derben Gedresche - eine Taktik, die sich vielleicht auch der ein oder andere Wacken-Headliner abschauen sollte! Weiterer Höhepunkt: Der Bartwalgesang von Sänger Dirk beim Abschluss-Track - irgendwo in New York weint Eric Adams bittere Tränen in seine Leder-Shorts.




Als dritte Band des Abends präsentieren sich die ebenfalls aus Potsdam stammenden My Inner Circle. Die erst 2016 gegründete Combo ist am heutigen Abend ein sehr spannender Farbtupfer: Als einzige Band setzen Gitarristin Lea und ihre Jungs voll auf Melodie. Der sehr modern intonierte Metal wird mit ausdrucksstarken Piano-Patterns angereichert und Sänger Norbert kann mit sehr eindringlichen cleanen Vocals überzeugen. Als Gegenpart dazu dröhnen die dicken Riffs von Lea und das akzentruierte Bassspiel von Adi bei peu à peu besser werdendem Sound aus der Anlage. Im Publikum werden Songs wie "Stained Treasures" ausgiebig beklatscht und die Band verabschiedet sich unter Zugabeforderungen in den Feierabend.




Mit den beiden Headlinern ist nun aber Schluss mit lustig! Zunächst entern Vijeriah aus Potsdam die Bretter des Lindenparks und schaffen es sofort, die Zuschauer mit ihren hochkomplexen Kompositionen in Bann zu ziehen. Hier sind echte Könner am Werk, die scheinbar selbstverständlich flirrende Riffs, krumme Takte und brutale Rhythmus-Patterns zu funktionierenden Songs verbinden! Angetrieben von Drum-Tier Tim präsentiert sich die Band als echte Einheit, aus der Sänger Martin dennoch etwas hervorsticht: Optisch würde der Mann zwar ganz hervorragend in jede Stoner/Doom-Kapelle dieser Erde passen, gleichzeitig hat er eine Kraft in den Lungen, dass man fast schon Mitleid mit dem Mikrofon haben muss. Krasse Show - und eine perfekte Vorlage für die letzte Band der heutigen Veranstaltung.




Once We Killed benötigen im Anschluss handgestoppte 2,61 Sekunden um dem Abend die Krone aufzusetzen! Die Berliner verfügen mit Abstand über die meiste Live-Erfahrung und diesen Vorsprung setzt die Band in eine perfekte Show um: Hier sitzt jeder Schlag, jede Note fräst sich in die Eingeweide. Dabei ergehen sich die Hauptstädter aber nicht in stumpfem Geknüppel - vielmehr erreichen die Gitarristen Christian und Tobias mit geschickten Leads eine zusätzliche Dimension der Raserei. Eventuell aufkommende Sentimentalitäten werden dann allerdings von Drummer Dan konsequent mit mächtigen Blasts und irren Breakdowns niedergeknüppelt. Dazu zeigt Frontberserker Patrik in Songs wie "Fucked Up Masquerade" oder "If Nature Could Speak" wirklich alle Facetten des modernen Deathcore-"Gesangs": Von unmenschlichen Pig Squeels bis hin zu Grunts aus der Hölle. Mit dem Rausschmeißer "Benimm Dich, Baby!" mobilisieren Once We Killed dann noch einmal die letzten Kräfte des nach fünf Bands merklich ausgelaugten Publikums.




Was bleibt am Ende des Abends? Als Auftakt für eine Reihe von Metal-Underground-Veranstaltungen war die erste Ausgabe von What's Your Metal ein voller Erfolg. Ein interessantes Billing, sehr gute Organisation und teilweise erstklassige musikalische Performances lassen kleinere Enttäuschungen wie den nicht immer optimalen Sound und die gepfefferten Bierpreise nebensächlich erscheinen. Deshalb: Weiter so!


Hit By Pitch


   


Bearded Bastards


                       


My Inner Circle

                       


Vijeriah


       



Once We Kill

         




    Teilen

    Kommentare