Obscenity - Auf die nächsten 30 Jahre

Hi Henne,Schön, dass du wieder etwas Zeit hast um ein paar nette Fragen zu beantworten. Ihr habt ein neues Album am Start. Es donnert mal wiederordentlich. Gefällt mir, obwohl ich sagen muss, der Vorgänger war etwas runder. Woran habt ihr euch beim Schreiben orientiert?

Moin Daniel, erst mal danke für Lob und Interview. Wie auch diesmal gab es beim Songwriting eine gewisse Orientierungslosigkeit. Wir hatten weder Themen noch irgendwelche Vorgaben zu erfüllen. Ich persönlich finde " Summoning" noch kompakter und soundtechnisch ausgereifter als den Vorgänger. Das ist natürlich dem Einzelnen überlassen und immer im Auge des Betrachters.



Wie verlief das Songwriting für die neue Platte? Wurden die neuen Mitglieder beteiligt? Gab es neue Denkansätze oder Vorgehensweisen? Wer schreibt die Lyriks?

Wenn ich Songs aufbaue, habe ich keine Maßstäbe außer einen klassischen Songaufbau. Das ist jedoch mein einziger Leitfaden. Ich weiß nie, wo der Song hinführt. Meist sind es Gitarrenriffs, die ich im Kopf habe. Die werden dann ausgearbeitet in dem ich erst das Tempo bestimme bei dem das Riff am Besten kommt beziehungsweise die Drums ausarbeite die dazu passen. Wenn das als Grundgerüst steht, nehme ich zu Hause die Gitarren auf. Oft sind das erst mal nur einzelne Riffideen die ich sammle und nach einer gewissen Zeit erst zusammenfüge. Im Laufe der Zeit wird dann ein Song daraus. Wen dieser dann fertig arrangiert ist geht er an unseren Sänger. Er arbeitet erst einmal mit Phrasierungen um eine Rhytmik zu bekommen und dann den Text zu verfassen. Manchmal habe ich auch schon fertige Songtitel die als richtungsweisend fungieren können wenn es um ein spezielles Thema geht.



Ihr seid wieder bei Apostasy. Was hat euch zum Wechsel zurück bewegt?

- Wir wollten " Retaliation" an sich auch über Apostasy releasen. Zu diesem Zeitpunkt gab es leider Schwierigkeiten beim Label. Man wusste dort nicht so recht ob und wie es dort weitergehen wird. Da die Produktion schon drängte wollten wir nicht noch mehr Zeit verlieren und kamen so zu unserem damaligen italienischen Label Kolony. Die Zusammenarbeit war ok, aber fühlte sich zeitweilig etwas spröde an. Aus dieser Erfahrung war für uns klar das Apostasy demnächst wieder die neue Heimat sein soll. Wir hatten auch immer gute Erfahrungen mit Tomasz persönlich gemacht. Man hat sich hier und dort auch mal gesehen und Interesse aneinander bekundet.



Foto © Bandpromo


Ihr habt wieder bei Jörg im Soundlodge aufgenommen. Never change a winning team? Oder habt ihr auch drüber nachgedacht, mal woanders aufzunehmen?

Richtig, die Drums und Vocals sind bei Jörg im Soundlodge aufgenommen. Allein das Schlagzeug ist im harten Metal schon sehr zielführend. Weil Jörg selber auch Drummer ist weiß er haargenau wie dieses zu klingen hat. Dort bekommt man wirklich einen prima Support, Flexibilität , klasse Sound und effektives Arbeiten.



Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Christoph Brandes?

Das Iguana Studio hatten wir schon länger auf dem Schirm. Wenn man kurz vor den Aufnahmen steht, macht man sich halt solche Gedanken wo und wie etwas stattfinden soll. Ist natürlich auch ne Budgetgeschichte. Wir haben übrigens auch bei Andy Claassen und James Murphy bzw. Erik Rutan nachgefragt. Die kamen letzteres aber mit utopischen Summen um die Ecke so das man sich ernsthaft fragen muss, ob das noch ernst gemeint ist oder ob die wirklich nur mit großen Labeln arbeiten wollen. Deshalb der Kontakt zum Christoph Brandes. Er hatte nun mal hervorragende Referenzen und es gab auch keine Sprachbarrieren. Wir sollten recht behalten, denn das Ergebnis spricht für sich selbst. Ein organischer , punchy Sound der nicht oldschoolig wirkt und trotzdem nicht nach Politur klingt.



Nächstes Jahr gibts euch 30 Jahre. Erstmal Gratulation an der Stelle. Das schaffen nur Wenige. Da steckt viel Arbeit und vor allem Durchhaltevermögen dahinter. Gibt es eine Party oder ist sogar ein Jubiläumskonzert in Planung? Vielleicht auch sogar mit Ex-Mitgliedern als Gäste?

Ja, Danke. Ich bin auch gleichen falls Stolz und überrascht das demnächst 30 Jahre rum sind. Kommt einem selber gar nicht so vor... Ich arbeite generell nicht mit ex- Mitgliedern. Die haben aus eigenem Antrieb die Band verlassen. Davor steht immer eine Entscheidung, die reiflich überlegt sein sollte. Warum soll ich mich mit denen auf eine Bühne stellen? Die einzige Ausnahme war Sascha unser Drummer, der damals durch eine, sagen wir mal spezielle Art und Weise, von ein paar Ex–Mitgliedern aus der Band katapultiert wurde. Als ich die alleinige Kommandantur der Band inne hatte , habe ich Ihn als Ersten wieder rein geholt. Ich werde auch ständig nach Anniversary Partys oder Shows gefragt, feiern können andere. Ich hab keine Zeit mehr für solche Dinger. Wenn da Interesse seitens eines Veranstalters besteht im September die Band zu buchen, gerne. Kann man von mir aus auch durchaus als Jubiläumskonzert tarnen.



Wie sieht es da generell aus? Gibt es noch Kontakt zu Oli, Mark, Alex oder Jens?

Man sieht sich ab und an auf Konzerten, grüßt sich , sabbelt über Musik und die Szene im Umland und das war's. Oli sieht man gar nicht mehr, und die anderen sind halt im ostfriesischen Raum unterwegs.




Foto © Bandpromo


Das Jahr ist ja quasi zu Ende. Was waren deine Highlights an Veröffentlichungen? Gab es auch Platten die dich überrascht haben? Hast du auch einne persönliche "Arschbombe" des Jahres?

Ich kaufe keine Platten oder CDs. Mein Plattenspieler steht seit 2001 im Schrank und ist noch nicht mal verkabelt. Die einzige CD in 2018 war Monstrosity. An sich wollte ich noch die Deicide besorgen, krieg ich dieses Jahr bestimmt noch hin. Den ganzen neuen Kram höre ich meistens im Netz vor um nachher Entäuschungen zu vermeiden. Ich habe so wirklich nichts gefunden was mir auf Anhieb gut gefällt. Vielleicht kannst Du mir was empfehlen? Ach ja, auf einne neue " The Exploited" warte ich schon länger. Die Herrschaften lassen sich auch echt Zeit ...



Gibt es außer Todesblei noch andere musikalische Richtungen in deinem CD-Regal?

- Wie schon erwähnt, höre ich auch Hardcore Punk mit Metal Einschlag wie " The Eploited" , Emils, etc. Als jahrelanger KISS Maniac natürlich auch immer noch die alten Helden.

Wichtig dabei ist mir immer eine gewisse Metal Attitüde und ne schwere Gitarre in den Sounds. Sehr geil finde ich auch TRIO.. Die meisten Leute kennen nur Ihre Charthits aus den 80ern und kennen die rockige, beziehungsweisew punkige Seite gar nicht...



Was erwartet uns in Zukunft? Wo kann man euch demnächst Live sehen?

Erst gestern waren wir mit Dawn of Disease und Legions of the Damned unterwegs in Essen im Turock. War ´n fetter Abend. FTC steht demnächst wieder vor der Tür. Ne größere Geschichte in Frankreich für den August und jede Menge noch unbestätigter Dinger und Anfragen. Wir steht auch mal gerne für spontane Gigs zur Verfügung wenn´s Zeitlich und personell machbar ist ...



Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören wie immer dir:

Ja cool, danke nomma für den Plausch und auch Gruß an deinen Bruder Ronny von dieser Stelle! Ansonsten sollte der geneigte Hörer gerne mal in das aktuelle Material reinlauschen.. Ist halt eher was für Classic Death Metaller . Da man uns fälschlicherweise gerne für Oldschool verkauft, kann ich das hier ja noch mal revidieren, denn dem ist nicht so .

In diesem Sinne " stay obscene " !




Discographie

1992: Age of Brutality (Demo)

1992: Suffocated Truth

1993: Amputated Souls (Demo)

1994: Perversion Mankind

1996: The 3rd Chapter

1997: Whipped, Raped … Obscene (Video)

1998: Human Barbecue

1999: Demo-niac

2000: Intense

2002: Cold Blooded Murder

2006: Where Sinners Bleed

2012: Atrophied in Anguish

2016: Retaliation

2018: Summoning the circle



Mitglieder

Vocals - Manuel Siewert

Guitar - Christoph Weerts

Guitars - Hendrik Bruns

Bass - David Speckmann

Drums - Sascha Knust



Label:

Apostasy Records


https://www.facebook.com/Obscenity.Official

https://www.facebook.com/apostasyrecords/



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